Reisebericht Südwest-Kanada und Yellowstone-Nationalpark (6+7/2015 – Teil 1)

Rundreise durch Südwest-Kanada & den Yellowstone-Nationalpark

Wale, Wälder, Bären, Bisons und Geysire

Schon lange hatten wir mit einer Rundreise durch Kanada geliebäugelt. Ursprünglich eigentlich eine Wohnmobil-Rundreise. Da mein Mann letztes Jahr sehr oft beruflich im Ausland unterwegs war, waren wir mit dem Reisezeitraum etwas eingeschränkt und uns blieben nur drei Wochen im Juni/Juli. So beschlossen wir, unsere Rundreise durch Südwest-Kanada anzugehen und diese mit dem Yellowstone-Nationalpark zu verbinden. Bei genauerer Planung haben wir entschieden, diese aber nicht mit einem Wohnmobil durchzuführen. Und im Nachgang betrachtet, war dies für uns auch eine richtige Entscheidung. Die Campingplätze waren alle proppenvoll und man hat doch sehr oft gemerkt, dass man mit einem normalen Auto einfach viel flexibler und freier ist. 

1. Tag: Anreise Frankfurt – Seattle – Vancouver

Unser Flug ging von Frankfurt nach Seattle. Nach Übernahme unseres Mietwagens, einem silbergrauen SUV CX-5 von Mazda, machten wir einen kurzen Stopp in der Southcenter Mall, direkt beim Flughafen. Hier versorgten wir uns mit ersten Getränken, Obst und Snacks für die Rundreise, aßen im Rainforest Cafe zu Mittag und begaben uns dann auf den Weg nach Vancouver.

Die Einreise nach Kanada am Grenzübergang der I5 beim Peace Arch State Park ging unkompliziert und dauerte nur ungeführ eine halbe oder dreiviertel Stunde. Wir sind zwar nicht ausgestiegen, da wir möglichst zeitig ankommen wollten, aber selbst vom Auto aus hat man erkannt, wie wunderschön dieser Park angelegt ist. In Vancouver angekommen, haben wir unser Hotel bezogen. Für zwei Nächte hatten wir das Barclay Hotel in der Robson Street gebucht. Wir haben dann nur noch die Robson Street ein wenig erkundet, haben das Abendessen ausgelassen und sind ziemlich müde ins Bett gefallen.

Übernachtung: Barclay Hotel

2. Tag: Vancouver

Für diesen Tag stand eine Wale-Watching-Tour auf dem Programm. Dazu haben wir uns in der nahegelegenen Coco Rico Cafe and Tapas Bar mit einem üppigen Frühstück aus Cappuccino, Orangensaft, Rührei, Bacon, Bratkartoffeln und Toast gestärkt und haben uns dann mit dem Taxi nach Granville Island bringen lassen. Wir hatten bereits von zuhause eine Tour bei Whales Vancouver gebucht, man sollte sich aber ab 8 Uhr am selben Tag im Büro von Whales Vancouver erkundigen, ob die Tour auch tatsächlich stattfindet, da es aufgrund von unsicheren Wetter- oder Seeverhältnissen auch passieren kann, dass sie abgesagt werden muss. Wir sind dann einfach persönlich vorbeigegangen um die Buchung zu bestätigen. Die Zeit bis zum Check-in um 9:15 Uhr haben wir uns am Hafen und im sehr schönen und interessanten Granville Island Public Market vertrieben. Der Markt ist wirklich einen Besuch wert. Ob zum Einkaufen oder einfach nur zum durchschlendern. Hier bekommt man fast alles, was das Herz begehrt.

Beim Check-In bekamen wir dann eine kurze Einweisung für die Bootsfahrt und unsere Ganzkörper-Schwimmanzüge. Wir sind uns vorgekommen wie die Ghostbusters 🙂 Dann wurden wir ins Boot verladen und aufgings. Nach ein paar Minuten waren wir aus dem Hafen und der English Bay draußen und kamen auf die Strait of Georgia – die Straße von Georgia, die das kanadische Festland von Vancouver Island trennt. Wir merkten schnell, dass wir einen Tag mit sehr wildem Seegang erwischt hatten, hatten aber unseren Spaß mit dem Boot über die Wellen zu brettern und mit dem Wasser, das uns ins Gesicht schlug. Nach zweieinhalb Stunden auf See hatten wir dann auch die erste kleine Gruppe Wale vor der Kamera. Wenn auch sehr schüchtern und relativ kurz.

Nach einer knappen halben Stunde, die wir bei ausgeschaltetem Motor hin- und herschwappten, wollten wir wieder in ruhigere Gewässer fahren, bekamen dann aber durchgegeben, dass eine große Gruppe Schwertwale mit Jungen gesichtet wurde. Wir wurden kurz informiert, dass es jetzt nochmal ruppig werden würde und schon düsten wir davon. Einige Minuten später waren Sie da – diese riesengroßen und doch so majestätischen Tiere, gefolgt von einigen Jungtieren. Ein wunderschöner Anblick! Allerdings konnten wir diesen Anblick nicht mehr recht lange würdigen, da wir beide uns nach drei Stunden auf unruhiger See darauf konzentrieren mussten, unser Frühstück zu behalten. Die Bord-Toilette war sowieso schon seit längerem anderweitig besetzt worden. Letztlich hatte ich drei Reiseübelkeits-Kaugummi auf einmal im Mund und mir graute davor, dass wir die ganze Strecke ja auch erst noch zurückfahren mussten. Es ist so ärgerlich, wenn man dieses Erlebnis, dass diese mächten Tiere nur ein paar Meter entfernt am Boot vorbeischwimmen, nicht genießen kann. Wir würden jedenfalls nie wieder eine Tour vom Festland aus buchen, da man hier viel zu lange auf See unterwegs ist, bis man an die eigentlichen „Hotspots“ kommt, wo sich die Wale tummeln. Fotos zu machen, um dieses besondere Erlebnis festzuhalten, war dann nur noch bedingt möglich. Da hätte man wesentlich mehr rausholen können, wenn es uns gut gegangen wäre. So waren wir dann auch dankbar, als wir endlich den Rückweg antraten. Es war gut, nicht mehr rumzuschaukeln und irgendwie wirkten die Kaugummis dann doch noch und wir erholten uns langsam. So hielten wir auch den kleinen Abstecher zum Point Atkinson noch aus und hatten nach über sechs Stunden Bootsfahrt endlich wieder festen Boden unter den Füßen. Wir sind dann mit dem Taxi wieder zum Hotel zurückgefahren und haben uns erholt.

Abends waren wir im Spicy 6, einem indischen Restaurant in der Robson Street, essen. Der Hunger ließ anfangs noch zu wünschen übrig, kam aber doch, als das leckere Essen vor uns stand. Wirklich eine empfehlenswerte Adresse!

Übernachtung: Barclay Hotel

3. Tag: Vancouver – Whistler

Der Tag begann nochmal mit einem Frühstück im Coco Rico Cafe. Für mich diesmal eine süße Version mit Waffeln und frischen Früchten. Hmmm, lecker. Anschließend traten wir die Fahrt nach Whistler an. Auf dem Weg dorthin machten wir einen kurzen Halt am kleine, idyllischen Browning Lake des Murrin Provincial Park.

In Whistler angekommen, machten wir gleich die Peak 2 Peak Gondelfahrt. Die Peak 2 Peak Gondola ist eine Luftseilbahn mit der gegenwärtig größen Spannweite aller Luftseilbahnen und die Höchste über Grund. Sie verbindet die beiden Skigebiete Whistler Mountain und Blackcomb Peak und bietet eine super Aussicht auf das Tal und die umliegende Umgebung. Wirklich beeindruckend, dass die Distanz von 4,4 km Luftlinie ohne Stützpfeiler dazwischen überwunden wird. Zwischen all den roten Gondeln gibt es auch zwei silberne Kabinen, die speziell mit einem Glasboden ausgestattet sind. Dafür muss man aber sicher schwindelfrei sein… Oben am Whistler Mountain, haben wir uns ein kleines Mittagessen von der Roundhouse Lodge gegönnt, Chili con Carne und einen Wrap, und haben die tolle Aussicht genossen. Von einer Terrasse aus beobachteten wir noch Mountainbiker, die sich die Pisten hinunterstürzten und – Murmeltiere. Deren geschäftiges Treiben fand ich persönlich wesentlich interessanter.

Wieder unten angekommen, kauften wir uns Kaffee und Cookies im Starbucks und bezogen dann unser Zimmer in der Summit Lodge & Spa. Das Hotel liegt am nördlichen Rand von Whistler Village, direkt an der Fußgängerzone. Das Zimmer war geschmackvoll und modern eingerichtet, mit kleiner Kitchenette, hochwertigen Pflegeprodukten von Malin + Goetz im Bad und einem süßen, handgemachten Sockenmonster am Bett. Spätnachmittags entspannten wir noch am Hotelpool und Abends schlenderten wir durch die Fußgängerzone.

Ein wirklich schöner, liebevoll gestalteter Wintersport-Ort, in dem übrigens 2010 die Olympischen Winterspiele ausgetragen wurden. Bei unserem Bummel warfen wir einen kurzen Blick in den dortigen Pandora-Laden und ich wurde spontan mit zwei neuen Ringen beschenkt. Ich liebe es ja, wenn Schmuckstücke mit einem schönen Erlebnis oder Ereignis verbunden werden und nicht einfach nur zuhause im Alltag gekauft werden. Zum Abendessen gab es Steak, Kartoffelbrei und Bohnen im Earls Whistler. Sehr lecker, allerdings war das Steak einen Tacken zu durch. Wofür man sich aber auch umgehend entschuldigt hat und uns die Getränke spendiert hat. Toller Service, den man bei uns in Deutschland schon oft suchen muss.

Übernachtung: Summit Lodge & Spa

4. Tag: Whistler – Cariboo Country

Beim Check-out im Hotel musste ich natürlich noch ein Sockenmonster kaufen. Ich fand diese Kerlchen einfach zu süß und im Gegensatz zu anderen billigem Kitsch aus Massenproduktion ein tolles Andenken an Whistler (www.stufd.net oder www.stufd.etsy.com). Gefrühstückt wurde im Elements Urban Tapas Parlour, einem der zwei zum Hotel gehörigen Restaurants. Es gab Egg Benedict mit Kartoffelpuffertörtchen und Rührei mit Toast, gegrillten Tomaten und Kartoffelpuffertörtchen. Auf der Fahrt ins Cariboo Country haben wir am wunderschön gelegenen Duffey Lake kurz frische Luft geschnappt. Ein herrliches Fleckchen, mit klarem, blautürkisen See zwischen gletscher- und schneebedeckten Bergen.

Nach einer streckenweise kurvigeren Weiterfahrt war unser nächster Stopp zum Mittagessen im Restaurant der Historic Hat Creek Ranch, einer kleinen Western-Ranch aus Zeiten des Goldrausches. Mein Magen war von der Fahrt etwas verstimmt, so dass ich mich nur bei den Pommes bedient habe, die mein Mann als Beilage zu seinem Lachs-Burger hatte. Ein schöner Platz für eine Pause und soweit wir gesehen haben, auch mit Programm und Touren, wenn sich jemand auf die Spuren des alten Kanada begeben möchte.

Knapp zwei Stunden ging die Fahrt dann weiter in die Cariboo Region, zu unserem nächsten Ziel: die unberührte Natur am Spout Lake und unsere Unterkunft für zwei Nächte, die Ten-ee-ah Lodge. Alleine die etwas abenteuerliche Anfahrt dorthin zeigt, wie abgelegen die Lodge liegt. Vom Ort Lac La Hache fährt man den Schildern nach und circa 7 km, noch auf geteerter Straße, bis zu einer Straßengabelung. Danach dem Schild entlang links, 21 km auf einer Schotterstraße. Dort angekommen, befanden wir uns in unserem persönlichen kanadischen Traum. Eine Blockhütte mit Holzofen, einsam und friedlich in der Natur, idyllisch an einem wunderschönen See gelegen mit freilaufenden Pferden und Gänsen.

Nachdem wir unsere Hütte bezogen hatten, haben wir noch kurz die Umgebung erkundet, auf unserer Terrasse gelesen, Holz gehakt und uns schließlich fürs gemeinschaftliche Abendessen um 18:30 Uhr im Restaurant fertig gemacht. Hier gibt es jeden Tag ein 3-Gänge-Menü, das morgens zum Frühstück ausliegt und man ggf. auch eine vegetarische Alternative wählen kann. Da Abends die Mücken schon ziemlich lästig werden, gerade am Wasser und mit den freilaufenden Tieren, haben wir uns gut mit Mückenspray behandelt. Das war aber wohl ein Fehler, denn schon beim Abendessen war uns beiden nicht ganz wohl und schummrig. Wir sind dann auch gleich nach der Nachspeise wieder zu unserer Hütte zurück und haben das Feuer im Holzofen auf der Couch genossen. Das Mittel hat uns beiden ganz schön zugesetzt, obwohl wir es sogar draußen im Freien aufgetragen haben. Damit werden wir wohl vorsichtig umgehen müssen.

Übernachtung: Ten-ee-ah Lodge

5. Tag: Cariboo Country

An diesem Tag war uns das Wetter leider nicht so hold. Es war bewölkt und regnete leicht. Aber in solch einer urigen, gemütlichen Blockhütte, machte uns das gar nichts aus. Wir wollten einfach die Zeit genießen und entspannen. Daher fanden wir es auch schön, gleich nach dem Aufstehen den Holzofen anzuschüren und noch in die Bettdecke gehült vor dem Ofen zu sitzen. Dann gingen wir gemütlich zum Frühstück, das in der Ten-ee-ah-Lodge in Buffetform angeboten wird. Man kann sich warme Gerichte wie Pancakes und French Toast aber auch bestellen.

Mittags machten wir uns auf zu einem Spaziergang entlang des Sees und dem angrenzenden Wald. Als wir so alleine dahin wanderten, hörten wir plötzlich etwas hinter uns im Holz rascheln und auf uns zukommen. Unser Herz blieb kurzzeitig stehen. Und dann erkannten wir, dass es nur der Hund der Lodge war, von dem man uns bei der Ankunft schon erzählt hatte. Er begleitete uns den ganzen restlichen Weg und apportierte mit Freude die Stöckchen, die wir im warfen. Nachmittags wurde das Wetter dann besser und wir tranken unseren Kaffee in der Sonne auf der Terrasse des Haupthauses. Man kann sich auch kostenlos ein Kayak oder Kanu ausleihen oder ein Boot um zu Angeln. Ausritte mit den Pferden sind ebenfalls sehr beliebt und auf Anfrage können auch Ausflüge mit dem Wasserflugzeug gebucht werden.

Die Zeit verging jedenfalls viel zu schnell und schon saßen wir wieder beim Abendessen. Ich freute mich aber auch schon auf die Lammkeule, die heute auf dem Menü stand. Wie auch schon gestern, waren alle drei Gänge liebevoll angerichtet. Die Vorspeise beispielsweise, ein Sellerie-Milchshake mit Schinken-Blätterteigstange, wurde in einem Glas auf einer Holzscheibe serviert. An beiden Tagen war das Essen nicht schlecht, geschmacklich hätte man aber noch mehr daraus machen können. Die Keule von mir war jedenfalls etwas trocken. Es war eher Hausmannskost, die wie Sterne-Niveau präsentiert wurde. Man hat wirklich gemerkt, wie gerne die Schweizer die Lodge hier führen und wenn man die gute Küche noch etwas mehr perfektionieren würde, ist es eine top Empfehlung ohne Abstriche.

Übernachtung: Ten-ee-ah Lodge

6. Tag: Cariboo Country – Clearwater/ Wells Gray Park

Unsere Weiterfahrt führte uns am Lac des Roches vorbei, wo wir einem Schild folgten und auf der Terrasse am Seeufer des italienischen Restaurants des Lac Des Roches Resort den beworbenen, besten italienischen Cappuccino tranken. Für ein Mittagessen war es uns leider noch zu früh, denn wir konnten uns gut vorstellen, wie lecker das Essen der original italienischen Gastgeber sicher ist. Es roch ziemlich köstlich und ich hätte es gerne probiert. Vielleicht ein anderes Mal? Kurz nach zwölf kamen wir in unserer nächsten Unterkunft an, die nicht mit den beiden vergangenen Nächten konkurrieren kann…

Fortsetzung folgt!

 

Bis bald, eure

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